Ich denke, mind-It hat Metzingers Kurzdarstellung der "Selbstmodell-Theorie der Subjektivität" gut zusammengefasst. Mind-It ist begeistert obwohl sie nicht meta-physical ist. Ich sage, das ist gerade der grosse Vorzug; man muss den „Geist“ mal aussen vor lassen. Was der Essay „Das Hauptproblem der Bewussteinsforschung„ von Hans Joachim Heyer betrifft, den mind-it zur Lektüre empfohlen hat, so bin ich schon etwas erstaunt, um nicht zu sagen schockiert - obwohl man durchaus Perlen in seinen Gedanken findet - spätestens dort, wo er eine Art Verschwörungstheorie ins Spiel bringt, dass bestimmtes Wissen unterdrückt wird. Ich denke, das Problem ist nicht die Unterdrückung sondern die Verbreitung von Wissen, weil die Leute eher blöd und faul sind als wissbegierig.
Ich muss gestehen, dass ich die Kurzdarstellung von Metzinger immer noch nicht restlos verstanden habe, auch die Zusammenfassung von mind-It nicht. Ich muss das in 1-2 Wochen nochmals lesen, wenn ich mich bis dahin nicht mit etwas Anderem befasse.
Metzinger beschreibt auf sehr eindrückliche Weise die „Mechanik des Selbst-Bewusstseins“ (guter Ausdruck, nicht? – sollte man registrieren lassen). Schon viele Philosophen und Psychologen haben sich mit dem Selbst-Bewusstsein befasst, eine sehr schwierige Materie. Ich habe da noch andere Texte (die ich noch nicht verraten möchte) auf Lager, die mehr zum Kern des Berges vordringen, den es von der physischen als auch der physischen Seite zu durchtunneln gilt (das ist ein Gedanke von Schopenhauer, den ich heute Morgen in der ro-ro-ro Biografie gelesen habe). Aber auch die anderen Texte sind auch nur Theorie, wie das Selbst funktioniert bzw. entsteht.
Ich denke jedoch, ich habe die Grundaussage von Metzinger verstanden. Dieser bestätigt mir das, was viele andere Forscher und Denker sagen bzw. gesagt haben. Mind-It bemängelte, dass Metzinger das eigentliche Selbst nicht beschreibt, sondern eben nur ein Modell davon. Das ist richtig. Metzinger bringt jedoch zum Ausdruck und er bestätigt, was schon andere vor ihm gedacht haben, dass es ein eigentliches Selbst nicht gibt! Der Buddhismus sagt: das Ich ist eine Illusion (wörtl. Vor-Spielung). Das Selbst an sich ist notgedrungen ein (fragiles) psychisches Konzept, ein mentales Konstrukt, das ständig erzeugt wird im Wachzustand. Dabei ist das Prozesshafte des Selbst zu betonen: Die Aussenwelt, die wir wahrnehmen, wird ständig mit der Innenwelt abgeglichen. Und durch Erfahrung entsteht der Eindruck eines festen Selbsts, das wir als ein Objekt anschauen. So versteht man den Ausdruck „res cogitans“ (denkendes Ding) von Descartes. Bildlich gesprochen sitzen wir in einem U-Boot am Sehrohr und am Horchgerät und steuern unsere Maschine, die aus Körper und „mind“ besteht (ich verwende lieber das engl. "mind", das viel mehr umfasst und der Lebenswirklichkeit näher kommt, als die missverständlichen Ausdrücke ‚Geist’ und ‚Seele’). Wir nehmen die Umwelt mit unseren "Instrumenten", mit den Sinnen wahr. Nur sind wir uns dessen nicht bewusst, weil wir durch einen unsichtbaren Schleier (Metzinger nennt es Transparenz) auf die Wirklichkeit blicken. Dieser Schleier hat immer eine Tönung durch die momentane Stimmung, z.B. ob ich fröhlich (oder gar verliebt) oder bedrückt bin, unruhig, müde oder hungrig bin – oder Foster Bier getrunken habe
etc. Bei wahnhaften oder substanzinduzierten Störungen wird dieser Schleier getrübt. Er kann sogar zerrissen werden wie bei Schizophrenie.
Noch etwas: Wo wir uns auch befinden, wir befinden uns (subjektiv) immer im Zentrum der Welt, des Kosmos. Wir erzeugen die Welt, die Realität in uns selber, auch Gott. Und die Welt existiert in jedem Moment nur insofern, als wir die Um-Welt wahrnehmen. Im Moment sitze ich in meiner kleinen Welt im Zimmer am Computer. Alles andere, was ich nicht wahrnehme (ausser den Verkehrslärm und den Glockenschlag) „nichte“ ich (Heidegger) oder tue es néantir (Sartre). Das ist u.a. Existenzialismus, so wie ich ihn verstehe. Ich bin froh, den Existenzialismus für mich entdeckt zu haben. Dieser bewahrt mich davor, mich in metaphysischen oder esoterischen Spekulationen zu verlieren. Wir haben nur diese eine grossartige Welt, in der wir uns befinden.
Ich möchte mit dem vorhin Ausgeführten nicht sagen, dass ausser uns die Welt nicht existiert. Wir erkennen sie aber nur subjektiv durch unser Welt-Verständnis, das wir uns angeeignet haben und an dem wir ständig arbeit (übrigens: da gibt’s noch einen ganz interessanten kurzen Aufsatz von Heidegger über das Weltbild, den man im Internet findet) Noch zu der von mind-It erwähnten 'eigentlichen' Realität. Ich sage dem mal die wahre, objektive Wirklichkeit. Ich gehe, wie gesagt, schon davon aus, dass diese ohne mein Zutun existiert. Letztlich, auf der subatomaren Ebene, sind die Dinge (Zwischenfrage: Was sind Dinge?) natürlich schon nur noch Energiequanten. Aber auf dieser Ebene kann man nicht mehr von Dingen sprechen. Es ist alles eine Frage der Perspektive und der Interpretation. Deshalb sagt der Buddhismus: die Dinge existieren nur kraft Benennung. Damit ist das Problem von Kants „Ding an sich“, das wir eigentlich nicht erkennen können, erledigt, oder? – Wie man sieht, geht weiter, es tauchen immer neue Fragen auf, die beantwortet sein wollen.
Kommentar schreiben